Eine dreitägige Fach-Exkursion führte die Gemeinden der ILE Passauer Oberland nach Vorarlberg, zunächst in den Bregenzer Wald, danach in den südlich gelegenen Walgau. Alle zwei Jahre begeben sich die Bürgermeister, Geschäftsleiter und Verantwortlichen des ILE-Verbunds auf gemeinsame Fahrt, um sich Anregungen und Impulse für ihre Gemeinden zu holen. Beeindruckt zeigten sich die Teilnehmer der diesjährigen Exkursion, die sie erstmals nach Vorarlberg führte.
ILE-Geschäftsführerin Gabriele Bergmann recherchierte die einzelnen Stationen der Reise, um von sog. „best-pratice-Beispielen“ zu lernen. Dabei stand die Themen „Baukultur und Ortsentwicklung“ im Fokus. Vor Ort begleitete die Gruppe ein Vertreter des Vereins Landluft aus Österreich, der sich der Baukultur und der Auszeichnung von Baukulturgemeinden verschrieben hat. Sämtliche Gemeinden, die auf dem Reiseplan standen, sind als Baukultur-Gemeinden ausgezeichnet worden.
So führte die erste Station die 18 Fahrtteilnehmer in den Bregenzer Wald, der seit Jahrzehnten für seine einzigartige Architektur aus Tradition und Moderne geprägt ist und auch deren strikte Einhaltung pflegt. Die Orte dort, etwa Andelsbuch, Hittisau oder Langeneck halten an der traditionellen Holzbauweise mit Schindeln fest und zeigen dies beeindruckend auch bei modernen Neubauten. Neben den Barockbaumeistern, der sog. Auer Zunft, hat vor allem das Bauhandwerk im Bregenzer Wald eine lange Tradition.
Plattform für`s Handwerk
Daher stand als erste Station der sog. „Werkraum Andelsbuch“ auf dem Programm. Rund 100 innovative Handwerksbetriebe sind derzeit Mitglied. Sie kooperieren im Werkraum als gemeinsamer Plattform, wo Ausstellungen, Wettbewerbe und Vorträge angeboten werden. Das Gebäude ist ein einzigartiges „Schaufenster des Handwerks“ der Region. Unzählige prämierte Ausstellungsstücke von ausgezeichneten Betrieben ihrer Zunft, ob Zimmerer, Möbelbauer, Tischler, Leuchtenhersteller oder Schneider- und Schuhhandwerker, sind dort ausgestellt. Die zweite Anlaufstelle in Andelsbuch war ein soziales Wohnprojekt, das vom „Miteinander, füreinander“ lebt.
14 Gemeinden – ein gemeinsames Bad
Der zweite Tag führte in mehrere Gemeinden im Walgau im südlichen Teil des Bundeslandes Vorarlberg. Hier standen Projekte der interkommunalen Zusammenarbeit, beispielgebend im sozialen Bereich sowie der Ortsentwicklung, im Mittelpunkt.
Als eine der ersten Maßnahmen der interkommunalen Zusammenarbeit wurde die Finanzverwaltung der Gemeinden zusammengelegt. Auch die Jungendarbeit wird über die Regio Walgau koordiniert. Als nächstes steht die Zusammenlegung der Standesämter an!
Die Gemeinde Nenzig mit rund 7000 Einwohnern steht als Mustergemeinde für Soziales und Integration in der Region. Sie bietet unter anderem Integrationskurse und diverse Möglichkeiten in der Familien- und Seniorenarbeit an. Mit dem Haus „allesamt“ hat man ein Gebäude für Kinder und Familien geschaffen, in dem bereits Schwangere vor der Geburt durch eine Hebamme beraten werden, Familien Hilfestellung in unterschiedlichsten Lagen finden und auch Kindergartengruppen beheimatet sind. Auch das jüngste Gemeinschaftsprojekt der 14 Walgau-Gemeinden ist in Nenzing angesiedelt: das Walgau-Bad.
Entsiegelung im Ortskern bringt Qualität
Wie eine Zentrumsaufwertung mit Café, Bücherei und der Entsiegelung von Flächen gelingen kann, zeigte der rund 3.500 Einwohner zählende Ort Göfis. Der ehemalige „Schandfleck“, so die Worte von Bürger-meister Thomas Lampert, hinter dem damaligen Rathaus, wurde zu einem wunderschönen, heimeligen Platz mit Café und einer Bücherei umgestaltet. Das Café wird (fast) ausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben. Das „bugo“, so der Name für Café und Bücherei, wird hervorragend angenommen. Außerdem wurde der Ortskern teilweise verkehrsberuhigt und entsiegelt, so dass die Aufenthaltsqualität sehr gesteigert werden konnte. Die Reisegruppe konnte sich bei einem Rundgang davon überzeugen und erhielt abschließend noch einen Einblick in das dortige Vereinshaus, das der Gemeinde gehört und als Veranstaltungszentrum dient.
Die vorletzte Station an Tag 2 war ein Kontrastprogrammpunkt: es ging um nachhaltiges Bauen mit Lehm und führte ins sog. „Erdenwerk“ nach Schlins. Dort empfing der „Lehmbau-Pionier“ Martin Rauch persönlich die Gäste aus Bayern und führte durch sein Werk. Selbstverständlich sind sowohl das Verwaltungsgebäude als auch die direkt anschließende Produktionshalle aus Lehm erbaut. Als gelernter Keramiker hat er sich bereits vor 40 Jahren dem Bauen mit Lehm verschrieben. Inzwischen erreichen Bauaufträge aus allen Teilen der Welt seinen Betrieb. Die Herstellung der Lehmbauteile und den nachhaltigen Ansatz der Verwendung für Lehm beim Bau zeigte er eindrucksvoll bei seiner Führung.
Markt Irsee im Glück
Bei der Heimfahrt am dritten Tag der Reise stand noch die bayerische Baukulturgemeinde Markt Irsee mit seinem bekannten Klosterareal auf dem Plan. Der noch amtierende Bürgermeister Andreas Lieb und seine Nachfolgerin im Amt, Angela Städele, empfingen die Reisegruppe und führten sie durch ihren wunderschönen Ort. Die kleine rund 1.500 Einwohner zählende Marktgemeinde kann sich glücklich schätzen durch die Förderungen über die Dorferneuerung und Städtebauprogramme in den letzten Jahren Vieles bewegt haben zu können: so konnten drei kleinere Dorfmittelpunkte geschaffen werden, wo man einkaufen und sich treffen kann; darunter auch ein neuer Einkaufsmarkt mit rund 400 Quadratmeter Fläche für den täglichen Bedarf direkt neben dem Rathaus. Ebenso kann man sich in Irsee glücklich schätzen, dass sich mehrere private Investoren für den Erwerb und Bau von alten Hofflächen oder größeren Gebäuden erwärmen konnten und sich damit sowohl Wohnraum als auch wichtige Infrastruktur schaffen ließen.