Osteoporose – oder besser bekannt als „Knochenschwund“- zählt laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) zu den TOP 10 der häufigsten Erkrankungen. Daher stieß der Info-Abend zum Thema „Starke Knochen, klarer Kopf“, veranstaltet von den elf Gemeinden der ILE Passauer Oberland, auf großes Interesse und einen vollen Saal im Gasthof Knott in Jacking. Apotheker Christian Lindinger aus Passau klärte in einem mitreißenden Vortrag zum Thema auf.
Bevor er mit seinem Fachwissen loslegen konnte, begrüßte ILE-Geschäftsführerin Gabriele Bergmann die rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörer aus der Region und dankte für das große Interesse. Zum wiederholten Male konnte Christian Lindinger für einen Fachvortrag gewonnen werden. Auch ihm, der diese Vorträge in seiner knappen Freizeit unterbringt, zollte sie Dank und Anerkennung.
„Osteoporose kann richtig zusetzen“, so sein Statement gleich zu Beginn seiner Ausführungen. Daher ist sowohl die Wahl des Facharztes entscheidend als auch die Eigenverantwortung, die man beim Arztbesuch sowie der Eigenvorsorge grundsätzlich zeigen solle, so sein Hinweis. Dazu gehöre es, richtige Fragen zur Diagnostik, zu Medikamenten und deren Wirkweisen zu stellen. Darüber hinaus sei es wichtig, sich mit weiteren Kernthemen im Zusammenhang mit Osteoporose wie etwa der Sturzprävention durch Anlayse sturzfördernder Medikamente oder die Rolle eines guten Schlafs zur Knochenreparatur ebenso wie einer möglichen Hormontherapie ab dem 50. Lebensjahr auseinanderzusetzen. Außerdem gehörten praxisnahe Ratschläge und Tipps zu Bewegung und Ernährung mit gezielter Supplementierung zu den Ausführungen seines Vortrags. Alle Empfehlungen zusammen seien wichtig, um proaktiv die Knochengesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten.
Risikofaktoren und Knochenbrecher
Zu den Risikofaktoren und Ursachen der Osteoporose zählen moderne Methoden der Gewichtsreduktion wie die sog. „Fett-weg-Spritze“, da sie zwar zu Gewichtsverlust führen, aber dieser zu einem Drittel aus Muskelmasse und noch gravierender aus Knochenmasse besteht. Lindinger bezeichnet sie sogar als „Knochenbrecher“. Weiter führen Inaktivität – beispielsweise nach Operationen (Gipsfuß) zu rapidem Muskel- und Knochenabbau. Dieser sollte durch gezieltes Krafttraining möglichst rasch wieder aufgebaut werden.
Ebenso kann die Einnahme von bestimmten Medikamenten den Knochenschwund beschleunigen. Dazu gehören sog. Säureblocker, die die Aufnahme von Kalzium, Magnesium, Zink und Vitamin B12 hemmen und die Proteinverdauung im Darm stören. Auch sturzfördernde Medikamente wie Schlafmittel oder muskelentspannende Mittel erhöhen das Sturzrisiko erheblich. Dies kann auch auf Blutdruckmedikamente zutreffen, die schlecht „eingestellt“ sind.
Weiter gehört die genetische Veranlagung zu den Risikofaktoren. Wenn bei einer Person im Familienkreis bereits Osteoporose diagnostiziert wurde, liegt das Risiko um das Zwei- bis Dreifache höher, selbst daran zu erkranken. Auch der Hormonmangel – oft bei Frauen über 50 Jahren – schwächt Knochen und Muskeln. Rauchen, chronischer Stress, Untergewicht oder schlecht eingestellter Diabetes zählen zu den Risikofaktoren.
Laborwerte können täuschen
Die Knochendichtemessung ist allgemein bekannt und sollte gerade bei familärer Vorbelastung möglichst früh (ab dem 60. Lebensjahr) in Anspruch genommen werden. Hierbei wird die Knochendichte (der Kalziumgehalt) gemessen. Dieser Wert allein ist aber nicht ausreichend; es sollte auch nach dem sog. TBS-Wert gefragt werden, der die Qualität des Knochens, also seine Mikroarchitektur, ausdrückt.
Auch bei Laborwerten genügt es nicht, das Kalzium im Blut allein zu messen. Hier sind unbedingt auch die Werte des Vitamin D und B12-Gehalts unablässig. „Ähnlich wie bei der Leber leidet auch der Knochen still“, so Lindinger.
Bewegung und Krafttraining, richtige Ernährung und informierter Umgang mit Medikamenten/Nahrungsergänzungsmitteln bezeichnet Christian Lindinger als die Grundpfeiler der Prävention. Sein Motto lautet augenzwinkernd: „Ich turne bis zur Urne.“ Weiter können die regelmäßige Einnahme von Vitamin D, Magnesium zur Aktivierung von Vitamin D sowie Melatonin für die Verbesserung der Schlafhygiene hilfreich sein. Die medikamentöse Behandlung von Osteoporose sollte – so der Rat des Referenten – unbedingt mit einer Änderung des Lebensstils kombiniert werden.