{"id":5027,"date":"2026-05-26T15:21:57","date_gmt":"2026-05-26T13:21:57","guid":{"rendered":"https:\/\/passauer-oberland.de\/?p=5027"},"modified":"2026-05-26T15:33:39","modified_gmt":"2026-05-26T13:33:39","slug":"5027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/passauer-oberland.de\/?p=5027","title":{"rendered":"&#8222;Kleinen Wasserhaushalt wieder aktivieren&#8220; &#8211; Zusammenh\u00e4nge zwischen regionalem Wasserhaushalt, Bodennutzung und Klima"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Vielschichtige Einblicke und aktuellste Erkenntnisse pr\u00e4sentierte Tobias Windmai\u00dfer 25 interessierten Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern beim ILE-Infoabend zum Thema \u201eRegionaler Wasserhaushalt, Bodennutzung und Klima\u201c im Gasthaus Kerber in F\u00fcrstenstein.<br \/>\nILE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Gabriele Bergmann begr\u00fc\u00dfte zu Beginn die G\u00e4ste und den Referenten: er ist Biologe, Mitarbeiter des BUND Naturschutzes, der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald sowie Nebenerwerbslandwirt. Also jemand, der wei\u00df, wovon er spricht!<\/p>\n<p>Eigentlich liege sein Schwerpunkt in der Botanik, so Windmai\u00dfers einf\u00fchrende Worte, aber der erste Ber\u00fchrungspunkt mit dem Thema Gew\u00e4sser waren die Flusskrebskartierungen, die er \u00fcber ein Jahrzehnt vornehmen durfte. Der Startschuss f\u00fcr ein neues Bet\u00e4tigungsfeld. \u00a0Verschiedene Stationen f\u00fchrten den geb\u00fcrtigen Landshuter schlie\u00dflich vor rund sechs Jahren zum Bund Naturschutz und zuletzt zudem in den Nationalpark Bayerischer Wald.<\/p>\n<p><strong>Flut und D\u00fcrre<\/strong> seien die pr\u00e4genden Ereignisse, die er seitdem in der Region erlebt habe. Auch in der Landwirtschaft werde es immer schwieriger sich auf die Witterungsverl\u00e4ufe einzustellen. Seine Empfehlung ist die R\u00fcckbesinnung auf den \u201ekleinen Wasserkreislauf\u201c, d.h. also die Sicht auf die Zusammenh\u00e4nge zwischen Verdunstung und Niederschlag in der Region. \u201eDieser kleine Wasserkreislauf macht mehr als die H\u00e4lfte des Niederschlags aus\u201c, so Windmai\u00dfer.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr das Wachstum unserer W\u00e4lder bildet der sogenannte <strong>\u201eZwischenabfluss\u201c<\/strong>, da an den H\u00e4ngen des Bayerischen Waldes selten Grundwasser im klassischen Sinne vorhanden ist. Dieses Wasser flie\u00dft aufgrund verschiedener Faktoren (Versiegelungen, Bodenverdichtung, Forstwege-\/stra\u00dfen) zunehmend rascher in die T\u00e4ler ab und tr\u00e4gt dadurch zu \u00dcberschwemmungen weiter unten bei. Wenn das Wasser des Zwischenabflusses einmal geb\u00fcndelt ist, wird es schwer, dass es wieder versickert oder langsam verrieselt. Wenn dieses aber zu schnell oberfl\u00e4chlich abflie\u00dft, gelangt dies nicht in den Zwischenabfluss bzw. das Grundwasser und es bleibt zu wenig f\u00fcr die B\u00e4ume. B\u00e4ume die ihrerseits unter D\u00fcrrestress leiden, verdunsten weniger Wasser und k\u00f6nnen so nicht mehr in ausreichendem Ma\u00dfe f\u00fcr Verdunstungsk\u00fchlung sorgen. Somit sind auch land- und forstwirtschaftliche Wege bzw. deren Wegseitengr\u00e4ben ein wesentlicher Teil der D\u00fcrremisere.<\/p>\n<p><strong>Ein Teufelskreis<br \/>\n<\/strong>Daher spricht man auch vom <strong>\u201elandnutzungsgetriebenen Klimawandel\u201c<\/strong> versus dem \u201eglobalen Klimawandel\u201c. Diese Einsicht ist wichtig, um zu erkennen, dass man in der Region durchaus selbst etwas gegen den Klimawandel tun kann und sogar unbedingt tun muss! Denn wie eine Aufzeichnung der Wetterstation in Waldh\u00e4user (Landkreis Freyung) zeigt, hat die Temperaturerh\u00f6hung dort in den letzten 50 Jahren um 2\u00b0 \u00a0\u00a0zugenommen. Dies bedeutet sogar <strong>eine h\u00f6here Erderw\u00e4rmung in der Region als im globalen Durchschnitt!<\/strong> So sind dort auch in etwa 300 Sonnenstunden mehr pro Jahr gemessen worden und ebenso seien \u201edie Schneeh\u00f6he und die Liegedauer des Schnees massiv gesunken\u201c, wie Windmai\u00dfer weiter ausf\u00fchrt. \u201eDer trockene, kalte Wind der letzten Wochen lie\u00df den Boden austrocknen bevor die B\u00e4ume \u00fcberhaupt ausgetrieben haben\u201c, lautet das bittere Res\u00fcmee seiner Beobachtungen in diesem Fr\u00fchjahr. Diese Erkenntnisse tr\u00e4fen auch auf die Ackerb\u00f6den und damit die Landwirtschaft zu.<\/p>\n<p>Die globale Temperaturerh\u00f6hung und Starkregenereignisse haben nat\u00fcrlich auch <strong>Folgen f\u00fcr die B\u00f6den.<\/strong> Bodenlebewesen wie Regenw\u00fcrmer oder auch Pilze, die f\u00fcr die Bodenstrukturierung gro\u00dfe Bedeutung haben, ben\u00f6tigen Wasser und lockere B\u00f6den. Wenn sie fehlen, beispielsweise wegen Verdichtung oder Wassermangel, nehmen Wasseraufnahmef\u00e4higkeit und Bodenstabilit\u00e4t ab, was damit wiederum das Ausgangsproblem verst\u00e4rkt. Zwischenfr\u00fcchte m\u00fcssten angebaut werden, um den Humusaufbau zu unterst\u00fctzen. Aber auch die Entwicklung einer Zwischenfrucht ben\u00f6tigt Wasser und ist empfindlich gegen\u00fcber der vielfach beobachteten Hitzesituation zur Aussaatzeit.\u00a0 \u201eWenn sich die Zwischenfrucht aus diesen Gr\u00fcnden nicht entwickeln kann, kommt ihre positive Wirkung gegen die aufgezeigten Probleme nicht ausreichend zum Tragen\u201c, so der Fachmann. Es handele sich um einen \u201eTeufelskreis\u201c. Es gibt mehrere Faktoren, die sich hier gegenseitig beeinflussen. Auch der Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Maschinen geh\u00f6rt dazu. Landwirtschaft ist darin einerseits \u201eMitverursacher\u201cund \u201eLeidtragender\u201c zugleich, stellte Windmai\u00dfer fest.<\/p>\n<p><strong>Was kann man tun?<br \/>\n<\/strong>Der Fachmann pl\u00e4diert f\u00fcr mehr <strong>Wasserr\u00fcckhalt in der Landschaft<\/strong> und damit eine <strong>Aktivierung des kleinen Wasserkreislaufes<\/strong>, um das lokale Klima zu st\u00e4rken. \u201eWir brauchen wieder mehr Feuchtfl\u00e4chen in unserer Landschaft, aus denen Wasser verdunsten kann, wobei die Aufheizung verringert und neuer Niederschlag bebildet wird\u201c<\/p>\n<p>Bew\u00e4hrt h\u00e4tten sich hier Ma\u00dfnahmen wie die \u201eOffenlegung von Verrohrungen\u201c zur\u00fcck an die Oberfl\u00e4che, so dass wieder mehr kleinere Gew\u00e4sser wie T\u00fcmpel oder Bachl\u00e4ufe vorhanden sind. Diese f\u00fchren einerseits dazu, dass sich mehr Biodiversit\u00e4t einstellt, aber auch dass mehr Verdunstung stattfindet, die an anderer Stelle der Region wieder in Form von Tau oder Regen zugutekommt. Auch stabile Flie\u00dfgew\u00e4sser- und Auelandschaften \u2013 mit mehr Platz und ohne Eintiefungstendenzen seien hier ganz entscheidend!<\/p>\n<p>An geeigneten Standorten k\u00f6nnten <strong>Auw\u00e4lder<\/strong> entwickelt oder bestehende durch die Pflanzung von beispielsweise Erlen (statt Fichten) verbessert werden. Die Wurzeln der Erle geben der Gew\u00e4ssersohle und den Ufernmehr Stabilt\u00e4t und tragen zur Selbstreinigung der Gew\u00e4sser bei, so Windmai\u00dfers Ausf\u00fchrungen.<br \/>\nBesonders kritisch sei aber die intensive <strong>Nutzung von Moorb\u00f6den.<\/strong> Dabei zeigte Windmai\u00dfer anerkannte, aktuelle Forschungsergebnisse auf. Prognostiziert w\u00fcrde, dass in den n\u00e4chsten 30 Jahren rund 40 Prozent der genutzten Moorbodenfl\u00e4chen f\u00fcr eine intensive, insbesondere ackerbauliche Nutzung verloren gehen werden. <strong>Intelligente L\u00f6sungen<\/strong>, die eine Nutzung auch bei hohen Wasserst\u00e4nden erm\u00f6glichen, m\u00fcssten daher weiter forciert und optimiert werden. Denn bei niedrigen Wasserst\u00e4nden werden allj\u00e4hrlich nicht nur immense CO<sub>2<\/sub>-Mengen freigesetzt, sondern es gehen unserer Landschaft auch wertvolles Wasser verloren, das wir erneut dringend f\u00fcr Verdunstung sowie Grundwasser- und damit Trinkwasser-Neubildung ben\u00f6tigen. Schlie\u00dflich m\u00fcsse man bedenken, dass mit einem Hektar geackertem Moorboden im Schnitt allj\u00e4hrlich \u00fcber 40 Tonnen CO\u00b2 &#8211; Aussto\u00df und ein Verlust von 100 m<sup>3<\/sup> Torf verbunden ist!<\/p>\n<p>\u201eBew\u00e4hrt hat sich auch in der Region bereits die <strong>Bewirtschaftung von feuchten Weidefl\u00e4chen mit Wasserb\u00fcffeln<\/strong>, deren Bedeutung f\u00fcr den Naturschutz belegt ist\u201c, ein weiterer Ratschlag des Experten. Die beweideten Fl\u00e4chen w\u00fcrden sich hinsichtlich Flora und Fauna positiv ver\u00e4ndern, beispielsweise durch das Entstehen von Laicht\u00fcmpeln durch das \u201eSuhlen\u201c der Tiere.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sein Appell an die kommunale Ebene, da ja die elf ILE-Gemeinden des Passauer Oberlandes den Info-Abend veranstalteten: Das <strong>Projekt boden:st\u00e4ndig<\/strong> der \u00c4mter f\u00fcr L\u00e4ndliche Entwicklung, das in vielen Kommunen nach Starkregenereignissen bereits in Anspruch genommen werde, auf Anwendung f\u00fcr die eigene Gemeinde zu pr\u00fcfen. Zudem eine <strong>angepasste \u201eGrabenpflege\u201c zu betreiben<\/strong>. Die Rede ist von der R\u00e4umung von Stra\u00dfengr\u00e4ben, die oftmals zu schematisch ausgef\u00fchrt werde und sich k\u00fcnftig mehr am tats\u00e4chlichen Mindestbedarf und auch \u00f6kologischen Anforderungen orientieren sollte. \u00a0Denn in bestimmten Phasen des Jahres bleibe zwar der effektive Abfluss des Wassers wichtig, doch in anderen Phasen sollte das Restwasser eher so langsam als m\u00f6glich abflie\u00dfen k\u00f6nne.<br \/>\nEbenfalls erw\u00e4hnte er die M\u00f6glichkeit zur Fl\u00e4chenentsiegelung und den neuen Trend zu Schwammst\u00e4dten oder Schwammw\u00e4ldern.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8220;&#8220;]Vielschichtige Einblicke und aktuellste Erkenntnisse pr\u00e4sentierte Tobias Windmai\u00dfer 25 interessierten Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern beim ILE-Infoabend zum Thema \u201eRegionaler Wasserhaushalt, Bodennutzung und Klima\u201c im Gasthaus Kerber in F\u00fcrstenstein. 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