Vom Rüssel bis zum Schwanz – Sautanz der Öko-Modellregion sorgte für kulinarisch-lustigen Abend
„Wenn es schon mal Lüngerl gibt, dann langt man zu“, hat sich Markus Friedberger am Samstagabend im Landgasthof Kirchberger Stub`n gedacht. Er ist mit sieben Spezln von der Feuerwehr Rappenhof bei Tittling nach Kirchberg gekommen und hat wie alle anderen Gäste die Gelegenheit genutzt, mehrmals das Buffet anzusteuern. Genauso war`s gedacht beim 3. Sautanz, zu dem die Wirtsleut Wilfried und Karina Maier und die Öko-Modellregion Passauer Oberland geladen hatten. Das Konzept, nach altem Brauch ein ganzes Schwein vom Rüssel bis zum Schwanz zu verarbeiten, stieß erneut auf Begeisterung. Am Freitag und Samstag kamen insgesamt 110 Gäste zum Schlemmen, und mehr hätten auch kaum Platz gehabt.
Natürlich durften der klassische Schweinsbraten mit Speckkraut nicht fehlen. Am begehrtesten aber waren die Gerichte, die so manch einer Jahrzehnte nicht mehr gegessen hatte: Züngerl und Lüngerl, Nierndl und Leber, Griebenschmalz und Grammelknödel, Blutwurst, Saukopf und das, was sich einmal darin befunden hat. „A Hirn hob i no nia ghabt“, stellte Sepp aus Rappenhof beim Essen fest – und sorgte an seinem Tisch für allgemeine Heiterkeit. „Des fünfte Lüngerl hod ma am besten g`schmeckt“, schwärmte sein Spezl Markus. Kamerad Hane, der selbst hobbymäßig wurstelt, lobte die perfekt gewürzte Blutwurst.
Begrüßt worden waren die Gäste von Tiefenbachs Bürgermeister Christian Fürst, der ein Hoch auf das Landleben aussprach. Sehr zufrieden war auch Koch Wilfried Maier. „Es ist immer wieder schön, die alten Spezialitäten zu kochen, und wenn die Leute sagen, dass es gut war“, freute er sich. Die Herausforderung, dass Buffet so vorzubereiten, dass es für alle alles in ausreichender Menge zu probieren gibt, habt er gerne wieder angenommen. Das frisch geschlachtete Schwein, das er verarbeitete, kam vom Biohof Fischl gleich in der Nähe. Den Anstoß zum Sautanz hatte Pia Auberger, die Managerin der Öko-Modellregion, gegeben. Ihr Impuls, ein Tier als Ganzes wertzuschätzen und Lebensmittel möglichst aus der Heimat zu kaufen, passt in die Zeit, wie Wirt Wilfried Maier bestätigt: „Die Leute essen bewusster. Am wichtigsten ist es, dass die Zutaten aus der Region kommen, und wenn dann auch noch Bio dabei ist, ist es noch schöner.“
Unter den Gästen waren auch Steffi Bürgermeister und ihr „Zukünftiger“ Stefan Christoph, der im Nebenerwerb den Hof seiner Eltern weiterführt. „Als kleiner Bub hab ich noch die Hausschlachtung miterlebt und im Grand das Blut umgerührt, damit es nicht stockt“, erzählt der leidenschaftliche Landwirt. „Wenn man ein Tier aufwachsen sieht, schätzt man das Fleisch viel mehr“, findet Steffi. Zusammen mit Stefans Eltern bringen sie ihren zwei kleinen Kindern die natürlichen Kreisläufe näher. „Wir wollen das Leben mit der Landwirtschaft weitergeben, sonst wissen die nächsten Generationen nicht mehr, wie es war“, sind sie sich einig. Daran erinnern, was man aus einem Schwein alles machen kann, ist auch das Anliegen der Öko-Modellregion. Managerin Pia Auberger konzentrierte sich am Samstag voll auf die selten gewordenen Spezialitäten. Weil sie Geburtstag hatte, gab es zum Dessert noch obendrauf Ständchen. Die Musikanten Beppe (Kontrabass), Christoph (Steirische) und Andi (Gitarre) sorgten in der Kirchberger Stub`n für ausgelassene Stimmung. Mit fortschreitender Stunde wurde es zum Schunkeln – und sogar zum Tanzen. Ein echter Sautanz also.
Text: Simone Kuhnt
