Öko-Modellregion organsierte Biobauern-Treffen auf dem Betrieb von Claudia und Stefan Fenzel
Stefan Fenzel, der als BWLer, Marketingspezialist und früherer Geschäftsführer einer Werbeagentur wegen einer Krankheit „quer“ in die Landwirtschaft eingestiegen ist, und Claudia Fenzel, Agrar-Wirtschaftsingenieurin, Kochbuch-Autorin und Wirtin vom „Lindenkeller“, gewährten Einblicke in ihre Limousin-Rinderhaltung mit hofnahen Weiden, den 2019 errichteten Masthähnchen-Stall inklusive Weide-Auslauf sowie den Verkaufsraum für ihr Rind- und Hähnchenfleisch und weitere Bioprodukte. Zum Abschluss gab es eine kleine Verkostung.
„Nur zehn bis 20 Prozent sind reine Biokäufer“
99 Prozent ihrer Erzeugnisse vermarkten die Fenzels und ihr Team an wenigen Tagen im Jahr direkt an ihre Kunden aus rund 20 Kilometern Umkreis um Hafning und an weiteren Abholstationen in München und Ascha bei Straubing. „Nur 10 bis 20 Prozent sind reine Biokäufer“, berichtet Stefan Fenzel, „die meisten kommen, weil sie hochwertiges, abgehangenes Fleisch, Rinder in Weidehaltung, natürliche Fütterung oder besondere Produkte wollen.“ Das Rindfleisch werde vorrangig in Mischpaketen verkauft, Edelteile wie Filet oder Backen gebe es naturgemäß nur als „Zuckerl“. Die Kunden werden per E-Mail über den nächstmöglichen Abholtermim informiert und bestellen dafür im eigens entwickelten Online-Bestellsystem, so dass genau so viele Rinder geschlachtet werden wie benötigt. Ein Hähnchen sei drei Monate im Voraus zu bestellen. „Ich hatte Zweifel, ob die Kunden das in Kauf nehmen“, erzählte Claudia Fenzel, doch die Wertschätzung und Solidarität ihrer Kunden überzeugten sie vom Gegenteil.
„Die Menschen begeistern“
„Das ist gelebte Praxis“, freute sich Biobauer Klaus Wagner aus Gaishofen über die aufschlussreiche Hofführung. Besonders gefielen ihm die mobilen Abtrenngitter, mit denen Stefan Fenzel den Rinderstall bedarfsgerecht unterteilen kann. „Ich bin so froh, dass die Öko-Modellregion vor sieben Jahren gegründet wurde“, sprudelte es aus seinem Otterskirchener Kollegen Walter Dankesreiter heraus, „die Bürgermeister wissen jetzt mehr über uns Biobauern. Es werden viele schöne Aktionen mit Schulen und Gastronomen organisiert. So bringen wir Bio voran.“ „Unsere Mitmenschen für unsere Arbeit zu begeistern, bringt mehr Menschen dazu, regional einzukaufen“, sagte Claudia Fenzel. „Wir können noch so schlaue Ideen haben“, erklärte Öko-Modellregionsmanagerin Pia Auberger, „ohne das Mitwirken der Betriebe ginge es nicht.“
Viele Standbeine und ein IT-Startup
Stefan und Claudia Fenzel halten auf acht Weiden mit insgesamt 65 Hektar Fläche rund um Tiefenbach 180 Limousin-Rinder. 2016 bauten sie sich mit Masthähnchen ein weiteres Standbein auf. Doch wie junge Hähnchen auf die Weide bringen? Ein Pappelwald bietet auf der Weide Schutz vor Greifvögeln. Neben der Rinder- und Hähnchenhaltung gibt es in Hafning noch Claudia Fenzels Gastronomie im Lindenkeller und das mit viel Herzblut selbst produzierte Kochbuch im eigenen Verlag (das zweite ist gerade in Arbeit). Dazu kommt die Weiterentwicklung ihres Online-Bestellsystems hin zu einer Gesamt-IT-Plattform, die auch anderen Landwirten eine effiziente Direktvermarktung ermöglichen soll. Die Fenzels haben dafür 2025 das Startup „WeideWerk“ gegründet, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert wird. „Nachdem es bei uns gut funktioniert, möchten wir es auch anderen regionalen Erzeugern ermöglichen“, sagt Stefan Fenzel.
Text: Simone Kuhnt
Bild: Cyrus Weinast
